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Lang,
lang ist's her, von den heutigen Geflügelzüchtern in Hildesheim halte
noch keiner das Licht der Welt erblickt, als die Vorfahren von Liebe zum
Federvieh beseelt, zusammenkamen, um im Jahre 1869 einen Verein zu gründen.
Sie hatten richtig erkannt, dass unser Hausgeflügel aller Art höchst nützlich
ist und die Beschäftigung mit Rassegeflügel viel Freude bietet.
Um
1858 bis 1863 entdeckt der Augustinerpater Gregor Mendel im Stiftsgarten
des Klosters zu Brunn die gesetzmäßigen Vererbungsvorgänge und wurde
damit zum Begründer der wissenschaftlichen Vererbungslehre, auch
Mendelsche Gesetze genannt. In diese Zeit fiel das Wirken des Vaters der
deutschen Geflügelzucht, Robert Oettel, auf fruchtbaren Bodon. Er war
nicht nur erster Zuchtwart, Preisrichter, Vererbungstheoretiker,
Fachjournalist in seiner Züchtergemeinschaft, sondern er legte auch
selbst bei den ersten Geflügelschauen mit Hand an.
Seine Saat brachte reiche Ernte. Von Görlitz aus verbreitete sich
der Gedanke der Rassegeflügelzucht und wurde auch von den Züchterfreunden
im Hildesheimer Raum dankbar aufgenommen.
Sanitätsrat
Dr. med. August Lax gründete den Hildesheimer Geflügelzuchtverein im
Jahre 1869 und war dessen Vorsitzender von 1072 bis 1902. 30 Jahre
lang hatte er die Geschicke des Vereins mit kluger Hand geleitet. Dr. Lax
erkannte sehr bald, dass nur Geflügelschauen, Holschauen und schließlich
Vogelmärkte zur Belebung der Geflügelinteressen beitragen konnten.
Dieses sind auch heute noch die Hauptanliegen eines Vereins. Er
verwirklichte seine Plane mit der größten Ausdauer, Nüchternheit und
mit einem erstaunlichen praktischen Geschick. Pioniere wie Dr. Lax waren
von dem Gedanken beseelt, durch Erzüchtung und Pflege von Rassen bessere
Leistungen zu erzielen. Aus diesem Grunde wurde damals ganz besonders auf
die asiatischen Rassen zurückgegriffen. Staatliche Versuchsanstalten und
Kontrollhöfe entstanden erst im Jahre 1902.
Rassegeflügelzucht
ist und bleibt kulturelles Schallen. Tatsache ist, dass unsere Pioniere
der Rassegeflügelzucht bei der Haustierveredlung des Geflügels eines
Vielgestaltung der Arien meisterhaft zusammengebracht haben. Seitdem sind
über 75 Jahre vergangen, die Zeilen haben sich zwar geändert, die
wissenschaftliche Vererbungstheorie ist jedoch die gleiche geblieben.
Die
Verbindung mit dem Hause Lax ist bis auf den heutigen Tat erhallen
geblieben. Der inzwischen leider verstorbene Enkel Dr. Fritz Lax, Benndorf
- Sayn, war Mitglied des Geflügelzuchtvereins und bei der Einweihung des
Dr.-Lax-Hauses im Jahre 1975 zugegen. Inzwischen wurde der Urenkel, Dr.
Fritz Lax, auch wieder Mitglied des Vereins. Aber auch mit dem Verleger
Dr. August Lax und seiner Gattin in Hildesheim
wurden Kontakte aufgenommen. Frau Dorothea Lax wurde ebenfalls Mitglied
unseres Vereins.
Ein
großer Förderer unseres Vereins war Bürodirektor Wilhelm Kobbe. Er
leitete den Verein von 1918 bis 1938 mit großem Geschick und
Umsicht und sorgte dafür, dass besonders in der damaligen Hungerzeit nach
dem Ersten Weltkrieg durch sachgemäße Hühnerhaltung und -zucht
wirtschaftliche Fortschritte erzielt werden konnten. Besonders in der
Umgebung von Hildesheim wirkte W. Kobbe mit großem Erfolg und so denken
noch heute Züchter aus dem Landkreis an die Ära Kobbe zurück. Kobbe war
allen Vorbild, seine Sachlichkeil, Pflichterfüllung, Treue und
Bescheidenheit bei allen hervorragenden Leistungen - nicht nur in der Geflügelzucht,
sondern auch im Beruf -wurden allgemein geschätzt. Er war immer da, wenn
Rat gebraucht wurde. Als Vorsitzender des Provinzial -Vereins Hannover
(jetziger Landesverband) und des Hauptvereins für Geflügelzucht im
Bezirk Hildesheim (heut Kreisverband Hildesheim) bestehend aus den
Voreinen Alfeld, Algermissen, Bockenem, Edemissen, Gadenstedt. Gronau, Hildesheim.
Peine und Sehnde hat er mit seinen Getreuen befruchtend auf die Zucht- und
Vereinsarbeit gewirkt. Seine Gedanken fasst er wie folgt zusammen:
„Erfreulicherweise
hat die Geflügelzucht in Deutschland, die während des Ersten
Weltkrieges fast zum Erliegen gekommen war, in den letzten Jahren
erhebliche Fortschritte gemacht. Das Ziel ist erst dann erreicht, wenn
Deutschland seinen Bedarf an Eiern und Schlachtgeflügel selbst deckt.
Trotz der schlechten Wirtschaftslage hat der GZV Hildesheim und
Umgebung den Mut gehabt, die Durchführung der diesjährigen Geflügelschau
des Hauptvereins zu übernehmen. Der Verein ist ernstlich bestrebt, die
Rassegeflügelzucht auch in der gegenwärtig schweren Zeit hoch zu
hallen, um der deutschen Geflügelzucht zu dienen und damit an den
Wiederaufstieg unseres lieben Vaterlandes mitzuwirken:
Durch
Rassezucht zur Leistungszucht
Vorwärts
immer — rückwärts nimmer"
In
seine Zeit fiel auch die erste Hildesia - Schau im Jahre 1928,
die wir in diesem Jahre zum 50. Mal begehen werden.
Ein
weiterer großer Förderer war unser allseits bekannter und geschätzter
Ehrenmeister Karl Stein. Er verstarb am 28. Februar 1976 im Alter
von 92 Jahren. Karl Stein war es, neben Wilhelm Kobbe, der im Jahre 1928
die erste große Hildesia - Schau begründete und hierzu benutzte er den
im Jahre 1923 neugegründeten Sonderverein der Rhodeländer - Züchter.
Karl Stein war von 1939 bis 1955 Erster Vorsitzender und diente dem
Verein damit in der schwersten Zeit des Zweiten Weltkrieges und in der
Zeit danach. Gleich nach dem Zweiten Weltkriege übernahm er die
Vorbereitungen zur Neugründung des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter.
Dem Hildesheimer Verein war er ganz besonders zugetan. Ihm widmete er
seine ganze Kraft und damit zur deutschen Rassegeflügelzucht. Für seine
großen Leistungen wurde ihm zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1955 die
Ernennungsurkunde zum Ehrenmeister des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter
übergeben. Unter seinem Vorsitz erreichte der Hildesheimer Verein die höchste
Mitgliederzahl von 275 Dies war insbesondere darauf zurückzuführen,
dass er nach dem Kriege die Verteilung des Futters organisierte und mit
viel Erfolg durchführte. Der ideale Gedanke wurde von ihm weilergetragen
und übergeben an seinen Nachfolger, Heinrich Neumann, der dem
Verein von 1955 bis 1971, seinem Tode, vorstand.
Mit
Heinrich Neumann bekam der Verein wieder einen ganz neuen Schwung und
Auftrieb, besonders in ideeller Hinsicht. Er forschte nach den Grundlagen
der deutschen Rassegeflügelzucht und reiste nach Görlitz zur Grabstätte
von Robert Oettel. Zu seinem Gedächtnis errichtete er auf seinem
Grundstück am Rottsberg eine Gedächtnisstätte, die so manchen
Rassegeflügelzüchter und Sonderverein anzog. (Leider
ist diese Stätte nicht mehr im Besitz des GZV.)
Seine gesamte Geflügelzuchtanlage, den „Robert – Oettel - Hof",
stellte er dem BORG und dem LV Hannover als Gedenkstätte zur Verfügung.
Im Keller des Wohnhauses wurde eine Klause zum Gedächtnis von Robert
Oettel geschaffen. Hier konnten sich Züchter der gesamten Bundesrepublik
zu Stunden der Erinnerung an den Gründer der deutschen Rassegeflügelzucht
zusammenfinden. Aber nicht nur Geflügelzüchter besuchen diese einzig schöne
Anlage mit dem herrlichen Ehrenhof, sondern auch der Hildesheimer
Verkehrsverein und sonstige Heimatvereine führten Besichtigungsfahrten
nach hier durch. Inzwischen ist dieser Hof in das Eigentum der Familie
Kregel übergegangen und in neuerer Zeit an einen fremden Käufer veräußert
worden.
Nach
Fertigstellung dieses Ehrenhofes galt das ganze Denken und Trachten von
Heinrich Neumann dem Ziel, den Geflügelzuchtverein auch finanziell unabhängig
zu machen. Unter großem persönlichen Einsatz all seiner Verbindungen
schaffte er es, ein Grundstück für die Errichtung eines Lagerraumes in
Verbindung mit dem Vereinshaus, dem heutigen Dr.-Lax-Haus, in das
Eigentum des Vereins zu bringen. Ihm allein ist es zu verdanken, dass
durch langwierige und schwierige Verhandlungen mit der Stadt und der
Regierung mit dem ersten Bauabschnitt im Jahre 1969/70 zum 100jährigen
Bestehen des Vereins begonnen werden konnte. Erstmalig konnten die Käfige
nach der Jubiläumsschau im neuen Lagerraum gelagert werden. Für Seine zahlreichen
Verdienste wurde er posthum zum Ehrenmeister des BDRG ernannt.
Der
Grundstein war gelegt; nun hieß es 1971 für seinen Nachfolger, dieses
Werk zu vollenden.
Nach
einer Übergangsphase bis zur Hauptversammlung des Jahres 1972
fungierte der Zweite Vorsitzende, Bernhard Braukmann, er hatte
dieses Amt seit 1955 inne, als Vorsitzender zusammen mit dem Zweiten
Schriftführer, Franz Hartmann. Im Frühjahr 1972 wurde folgender
Vorstand gewählt:
1.
Vorsitzender:
Bernhard Braukmann inzwischen abgelöst von Raymund
Möller
2.
Vorsitzender:
Heinz Schwarze, inzwischen abgelöst von Hans - Joachim Jüttner
Geschäftsführer:
Franz Hartmann
Liegenschaftsverwalter:
Otto Holle
1.
Schriftführer:
Bernd Müller
2.
Schriftführer:
Raymund Möller, inzwischen abgelöst von Siegbert Müller
1.
Kassierer:
Bernhard Wedig jun.
2.
Kassierer:
Heinrich Niemann,
1.
Gerätewart:
Karl Wagner, inzwischen abgelöst von Helmut Bänsch
2.
Gerätewart:
Josef Mrozek
Jugendobmann:
Karl Wagner
Beisitzer:
Käthe Bartels (80 Jahre), Heinrich Niemann, Henry Wolter,
Albert Kregel
Von
diesen Vorstandsmitgliedern wurde mit aller Ernsthaftigkeit der Gedanke
der deutschen Rassegeflügelzucht weitergetragen und das von Dr. August
Lax begonnene Werk, von Heinrich Neumann ganz besonders geförderte und
eingeleitete Vorhaben, zielstrebig durchgeführt. Der Grundgedanke des
Geflügelzuchtvereins Hildesheim und Umgebung ist die allgemeine Beratung,
Bekämpfung und Aufklärung über sachgemäße und den neuesten
Erkenntnissen der Forschung angepasste Geflügelhaltung und insbesondere
von Geflügelkrankheiten und Geflügelschauen Aufmerksamkeit zu schenken.
Darüber hinaus ist es die vornehmliche Aufgabe des Vereins, Rassegeflügel
zu erhalten und zu verbreiten. Hierzu werden alljährlich wieder Schauen,
insbesondere die Hildesia - Schau durchgeführt. Die Entwicklung der
Hildesia - Schau in den letzten 20 Jahren mag uns nachfolgende Übersicht
verdeutlichen:
|
Widmung
|
Jahr
|
Aussteller
|
Tiere
|
davon
Jugendl.
|
Tiere
|
Gedächtnis
|
|
50 jähr. Jubiläum
Landesverbands-
|
1959
1960 1961 1962
|
159
131
331
208
|
978
816
2.027
1.331
|
-*)
-*)
27
14
|
156
69
|
Chr. Scheiding
Dr. A. Lax
|
|
|
1963
|
284
|
1.866
|
11
|
64
|
Robert Oettel
|
|
Landesverbands-
|
1964
|
265
|
1.715
|
16
|
67
|
H. Marten
|
|
|
1965
|
210
|
1.269
|
13
|
60
|
|
|
Kreisverbands-
|
1966
1967
|
247
309
|
1.466
1.911
|
_
*\
20
|
118
|
|
|
Landesverbands-
|
1968
|
324
|
2.046
|
22
|
110
|
W. Kobbe
|
|
100jähr. Jubiläum
Kreisverbands-
|
1969
1970
|
328
241
|
1.917
1.580
|
22
11
|
79
35
|
|
|
|
1971
|
238
|
1.639
|
14
|
62
|
|
|
Landesverbands-
|
1972
|
378
|
2.573
|
27
|
125
|
|
|
|
1973
|
256
|
1.620
|
21
|
123
|
|
|
Landesverbands-
|
1974
|
348
|
2.345
|
19
|
166
|
Heinrich Neumann
|
|
|
1975
|
246
|
1.750
|
20
|
96
|
Dr. August Lax
|
|
Landesverbands-
|
1976
|
309
|
2.753
|
32
|
166
|
Karl Stein
|
|
Landesverbands-
|
1977
1978
|
325
437
|
2.3I5
3.151
|
32
47
|
162
300
|
Ernst Wannagatis
50. Hildesia -
Schau
|
|
*)
Jugendaussteller innerhalb der allgemeinen Schau
|
In
den letzten 20 Jahren haben in ununterbrochener Reihenfolge nachfolgende
Aussteller ausgestellt. Ihnen gebührt der besondere Dank des Geflügelzuchtvereins
Hildesheim und Umgebung. Sie haben uns über Jahre hinaus die Treue
bewahrt.
seit
1959 H. J. Jüttner, auch in den Jahren vorher war er eifriger
Aussteller.
An
dieser Stelle hätte auch B. Braukmann, unser Ausstellungsleiter, stehen
müssen, aber 1976 hatte ihm der Fuchs seinen gesamten Nachwuchs
weggeholt.
seit
1961 Heinrich Teppe
seit
1962 Heino Teppe und Werner Hagemann
seit
1963 Willi Scheer, Ernst Bode, Bernhard Wedig jun., Karl Fr. Mahlert
seit
1964 Gustav Koch
seit
1966 Mues und Sohn
seit
1967 G. Stolhofer, Gebr. Schönebeck
seit
1968 Franz Hartmann
seit
1969 Hermann Sieveritz, Georg Möser,
Fritz Clages.
Darüber
hinaus sind uns viele, viele Aussteller schon seit Jahren treu, die jedoch
nur zu besonderen Anlässen oder Sonderveranstaltungen ausstellen. Auch
ihnen unseren herzlichen Dank.
Die
Hildesia - Schau ist der Mittelpunkt im Vereinsleben. Sie hat Anerkennung
bei jungen und alten Züchtern gefunden, dies beweist auch wieder unser
diesjähriges Meldeergebnis. Es spornt uns aber auch an, alles mögliche
zu unternehmen, um die Schau zum vollen Erfolg werden zu lassen.
In
Gemeinschaft für die Gemeinschaft.
November
1978
Franz Hartmann, Geschäftsführer
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